
2.
Tag: Teheran - Stadt im Dauerstau
- Startort: Teheran
- Zielort: Teheran
- Route über: Stadtrundfahrt
- Besichtigungen: Azadi Platz mit Borj-e Azadi, Archäologisches
Museum, Teppichmuseum, Shahpalast, Niavaran Palast
- Fahrstrecke: ca. 40 km
Kurz nach dem Frühstück wurden wir mit samt Gepäck
von einem einheimischen Bus vor dem Hotel abgeholt. Ein
'Reisebegleiter' war auch plötzlich da, der uns von
nun an nicht mehr von der Seite weichen würde. Anfangs
hegten wir eher Mißtrauen gegenüber Tari, wie
unser Freund hieß, aber das legte sich zumindest bei
mir relativ schnell, ich hatte guten Kontakt zu ihm. Er
tat eben auch seine Arbeit, er war der staatliche 'Aufpasser'
und half uns in einigen Situationen auch leichter zu unseren
Zielen zu kommen, andererseits hatte er sicher den Auftrag
uns zu überwachen. Angeblich konnte er kein Deutsch,
aber da war ich mir nicht so sicher und einmal glaubte ich
gab er mir auf eine Frage Antwort obwohl ich Deutsch sparch.
Aber im Grund war er ebenso nett wie die übrigen Perser,
die wir kennenlernen würden.
Weil unser Bus mit Anhänger einfach zu lang war, haben
wir die Stadtrundfahrt mit einem einheimischen Gefährt
angetreten. Ein Omnibus der Marke Mercedes, was sonst, schließlich
gibt es im Iran ein Mercedes-Werk, das in Lizenz Lkw uns
Busse baut. Der Bus war zwar ein älteres Modell, aber
gut in Schuß. Innen ausgeschmückt mit allerlei
Borten und Quasten hatte das Ganze eher was von einem kitschigen
Liebesnest als von einem nüchternen Reisebus.
Also ging es los. Es ging los, und wie es los ging. Wir
standen nach der ersten Biegung schon im Stau. Wir wußten
noch nicht, daß der uns den ganzen Tag verfolgen würde,
also nahmen wir es gelassen hin. Immerhin hat Teheran über
12 Millionen Einwohner, da kann ein Verkehrsstau ja mal
vorkommen.
Das iranische Nationalmuseum
Als erstes besuchten wir das archäologischen Teil des iranischen Nationalmuseum,
in dem die Geschichte des Landes bis zur Einführung
des Islam dargestellt ist. Es wurde bereits 1937 eröffnet,
hieß früher Muzeh Iran-e Bastan und ist an der
Khiaban-e Shahid Yardjani Straße. Hier hatten wir
das erste mal Kontakt mit den Herrschern, von denen wir
auf unserer Fahrt noch oft hörten. Leider war der zweite
Teil des Museums, die Islamische Geschichte geschlossen,
da dieser komplett neu gestaltet wurde. Aber auch die vorislamische
Geschichte ist sehr interessant. Zum ersten mal sah ich
die Reliefs live, die man ansonsten nur aus Geschichtsbüchern
kennt. Da waren Keilschriften mit den Namen von Xerxes,
Darius und anderen Größen, die nicht nur Persien
beherrschten, sondern auch wesentlichen Einfluß auf
die westliche Geschichte hatten. Die Gebrauchsgegenstände
sind erstaunlich fein gearbeitet, obwohl die Gerätschaften
zum Teil schon über 2000 Jahre auf dem Buckel haben.
Die Führung wurde von einem deutschsprachigen Iraner
gemacht, der zum einen sehr gut Deutsch konnte und zum anderen
die Geschichte leicht verständlich vermittelte. Das
Alter der ausgestellten Gegenstände reicht von der
Mittleren Steinzeit bis zum Beginn der isalmischen Zeit.
Unter anderem ist auch ein Abguß der Gesetzesstele
von Hamurabi zu sehen.
Das Teppichmuseum
Auf dem Weg zum Teppich Museum kamen wir an einer großen
Behörde vorbei. Dort saßen auf der Gartenmauer
Männer mit Schreibmaschinen, die ihre Dienste anboten.
Im Iran gibt es immernoch Analphabethen und Menschen, die
sich keine Schreibmaschine leisten können, bzw. sich
bei der Formulierung von Behördenschreiben schwer tun
(wie bei uns auch) und die nutzen gerne die angebotenen
Schreibdienste.
Im TeppichMuseum wurde uns sehr detailiert erklärt,
was einen guten von einem schlechten Teppich unterscheidet.
Bei den dort ausgestellten Exemplaren konnte sogar ich als
blutiger Laie den Unterschied erkennen. Unter den Teppichen
war auch einer aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, der
mit 3.600 Knoten pro cm² erstaunlich perfekt geknüpft
ist.
Das Mittagessen
So, genug gesehen, jetzt gibt es erst einmal Mittagessen.
In einem Kellerlokal wurden wir freundlich begrüßt
und man zählte uns die Menüs auf. Das Menü
beinhaltet immer Joghurt mit Zwiebeln (sehr erfrischend),
Hauptspeise, Nachspeicse (meistens Obst) und ein alkoholfreies
Getränk (Coca Cola in Lizenz). Als Hauptspeise gab
es Horesch (eine Art Pichelsteiner Eintopf mit Rindfleisch),
Celo-Kebab (Lammspieße mit Reis und Grilltomate, ohne
Soße) und Chicken-Kebab. Übergigen habe ich keine Ahnung, ob die Gerichte wirklich so heißen, wir haben es zumindest so verstanden. Das hörte sich ja gut
an, zu dem Zeitpunkt wußten wir noch nicht, daß
uns diese drei Gerichte auf der ganzen Reise verfolgen würden.
Von Bekannten, der mit einer Iranerin verheiratet ist, wußte
ich, daß die Persische Küche sehr abwechlungsreich
und ganz hervorragend ist. Aber so wird nur zu Hause gekocht,
in Lokalen, die meist eher Garküchen gleichen gibt
es bis auf wenige Ausnahmen nur diese drei Gerichte. Ich
aß den Lammspieß, der mir sehr gut schmeckte.
Weil keine Soße dabei ist, war das ganze ziemlich
trocken, bis ich auf die Idee kam, die Grilltomate auszudrücken
und mit dem Saft den Reis zu befeuchten. Das hat ganz gut
geklappt.
Borj-e Azadi Monument
Am Nachmittag war dann das Freiheitsdenkmal Borj-e Azadi
dran, daß unter dem lezten Shah anläßlich
der 2500 Jahrfeier gebaut wurde. Das Monument ist 45m hoch
und wurde aus etwa 25.000 Steinblöcken erstellt. Der
Bogen in der Mitte ist 21 m hoch. Die 286 Stufen bis zum
Dach sparten wir uns aber. Dort hatte ich auch erstmals
direkten Kontakt zu Einheimischen und alle Vorurteile mußte
ich revidieren. Die Leute sind ausgesprochen freundlich.
Niyavaran-Palast
Den Golestan-Palast des Shah konnten wir nicht besichtigen,
der wurde gerade renoviert. Dafür besuchten wir den Niyavaran-Palast, der vom letzten Shah 1969 erbaut wurde.
Der recht moderne Palast enthält ein Privatkino, Konferenz
Räume und einen Hubschrauber Landeplatz. Zu sehen sind
hier auch die Privatgemächer der Shahfamilie und das
Arbeitszimmer von Farah. Vor dem Eingang zum Palastgarten
steht ein qadjarischer Gartenpavillon, der einmal vom letzten
persischen Kronprinzen bewohnt war. Fotographieren war hier
leider verboten.
Die erste Nacht im Rotel-Bus
Am Abend kamen wir dann zu unseren Rotel-Bus. Der Stand
in einem Bauernhof am Stadtrand, der für Rotel angemietet
wurde. Es gab Duschen und WC (Stehklo) ohne Papier, aber
dafür mit Wasserschlauch zu spülen (gewöhnungsbedürftig),
aber ich hatte ja Papier aus Deutschland mitgebracht.
Die erste Nacht in der Schlafkoje verlief ruhig, ich schlief
bestens. Am nächsten Morgen Abfahrt nach Qom.
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