
9.
Tag: Firuzabad - wo man den FC Bayern kennt
- Startort: Firuzabad
- Route über: Gur
- Zielort: Firuzabad
- Besichtigungen: Gur, Palast des Ardeshir, Kale-e Dokhtar
- Fahrstrecke: 49 km
Gur - die kreisrunde Stadt
Unser erster Weg an diesem Tag führte uns in die alte
Stadt Gur. Gur wurde von Ardeschir I. nach seinem Sieg über
Artabanus V. (224 n. Chr) gegründet. Das Die Stadt
war kreisrund und an Hand eines Hügelwalls, der den
Verlauf der Stadtmauer zeigt, ergibt sich ein Durchmesser
von 2,1 km. Es gab vier Stadttore in die vier Himmelsrichtungen.
Das einzige was noch gut sichtbar von der Stadt übrig
geblieben ist, ist der Minar, ein Rundturm genau im Zentrum
von Gur. Mit einem Durchmesser von 10 m und einer Höhe
von 30 m ist er in der weiten, flachen Ebene von Firuzabad
nicht zu übersehen. Was heute noch steht ist wahrscheinlich
nur der Kern eines Treppenturms mit etwa 20x20m Grundfläche.
Etwas weiter nördlich findet man die Reste eines Feuertempels
aus vor-sassanidischer Zeit. Die Stadt scheint durch ein
riesiges Feuer vernichtet wirden zu sein, denn man kann
überall auf dem Boden Steinbrocken finden, die zum
Teil mit einer Glasur überzogen sind, die ähnlich
wie Glas aussieht.
Der Palast von Ardeschir I.
An der Straße nach Kale-e Dokhtar liegt der ebenfalls
von Ardeschir I. errichtete Palast. Während unseres
Besuches wurde er gerade von deutschen Archäologen
restauriert. Der Palast ist 103 m lang und 55 m breit. Man
betritt den Palast durch einen riesigen Eiwan, ähnlich
wie die Eingänge der Moscheen. Anschließend gelangt
man in drei riesige Empfangsräume mit mächtigen
Kuppeln. An den Wänden sind die Reste der Stuckverzierung
zu erkennen, die darauf schließen lassen, wie prächtig
der Palast ausgesehen haben muß. Vom mittleren Kuppelraum
kommt man durch einen weiteren Eiwan in die Privatgemächer
des Herrschers. Der Palast liegt in unmittelbarer Nähe
einer Quelle, die einen kleinen Teich mit Wasser versorgt.
An Hand der Ausgrabungen stellte man fest, daß vor
dem Palast ausgedehnte königliche Gärten lagen.
Die Burg Kale-e Dochtar
Weiter ging es mit dem Bus zum Fuß eines Berges in
der Tang-e Ab Schlucht. In der Hitze des Nachmittags machten
wir uns über einen schmalen Pfad an den Aufstieg. Gott
sei Dank war es nach einer dreiviertel Stunde geschafft
und wir wurden mit einem schönen Blick über die
Ebene von Firuzabad belohnt. Das war aber eigentlich nicht
der Grund warum wir hier hinaufgestiegen sind. Es wartete
die Burg Kale-e Dochtar auf unseren Besuch. Übersetzt
heißt das Mädchenburg, aber etwas Mädchenhaftes
war nicht zu entdecken. Die Burg wurde wahrscheinlich ebenfalls
von Ardeschir I. erbaut und das noch relativ gut erhaltene
Zentralstück mit einem großen Kuppelraum hat
eine Seitenlänge von 18 m, der über einen riesigen
Ewan von 23x14m erreicht wird. Aufgefallen sind mir auch
hier die sehr hohen Räume, nicht nur die Kuppelhalle,
sondern auch die der anderen noch erhaltenen. Rund um diesen
Bau findet man einige Befestigungsanlagen. Welchem Zweck
die Burg diente ist nicht genau geklärt, da es für
eine bewohnte Burg praktisch keine Wohnräume gibt.
Zur Zeit wird auch hier restauriert. Um den Zentralbau vor
dem Einstürtzen zu bewahren wurde er mit Stahlseilen
umwickelt.
Wir stiegen im Schweiße unseres Angesichts wieder
ab und erkundeten noch auf der anderen Seite des schmalen
Tales einige Felsreliefs mit den Darstellungen der Krönung
Ardeschirs I. und seinen Siegen über Feinde. Die alte
sassanidische Brücke über das kleine Bächlein
ist noch sehr gut erhalten und benutzbar. Am Wegesrand begegneten
wir zum Abschluß unserer Tagestour einer verwilderten
Eselin mit ihrem Jungen. Ein paar der Mitreisenden wollte
mit untauglichen Kameras das Paar aus der Nähe fotographieren,
aber da nahmen sie schleunigst reißaus.
Der Lehrer von Firuzabad
Nach der Rückkehr zu unserem Übernachtungspatz
vor dem Hotel Memasara konnten wir uns entspannen. Da es
noch hell war, machten Ernst und ich noch einen Spaziergang
durch die Stadt. Wir konnten unter anderem den Bäckern
beim Backen des gut schmeckenden Fladenbrotes zusehen, das
ganz modern in einem Durchlaufofen gebacken wird. Ich wollte
noch Duschen und ging allein zurück zum Bus. Eine Weile
später kam auch Ernst zurück und beim Abendessen
erzählte er mit, er hätte einen Lehrer getroffen,
der uns am Abend zu sich eingeladen hätte. Das liesen
wir uns nicht entgehen. Pünklich zur vereinbarten Zeit
stand er vor dem Hotel und erwartete uns beide. Wir gingen
zu seinem Haus und auf dem Weg machte er noch einige Einkäufe.
Was wir möchten wollte er wissen und wir meinten er
solle sich keine Mühe machen, aber er war nicht davon
abzubringen, für uns diverse Süßigkeiten
und Früchte zu kaufen. Nach unserer Einladung in Isfahán
waren wir gespannt, wie es im Haus eines Lehrers auf dem
Land aussehen würde.
Zu Besuch bei der Lehrerfamilie
Dem Haus war wie allen von außen nicht anzusehen,
was sich im Inneren verbirgt. Man kann nicht in die Gärten
sehen, da die Grundstücke mit hohen Mauern umfaßt
sind. Nach dem Betreten zogen wir unsere Schuhe aus, wie
es sich gehört. Von einem Gang führten Türen
in alle Zimmer. Als erstes zeigte uns unser Gastgeber die
Küche, an der kaum ein Unterschied zu unseren zu sehen
war, es war eine alltägliche Einbauküche mit allen
notwendigen Geräten. Dann gingen wir ins Wohnzimmer.
Das unterschied sich erheblich von europäischen und
auch von dem, was wir in Isfahán gesehen hatten.
Es gab keine Möbel. Der ganze Boden war mit schönen
Teppichen ausgelegt, die, wie wir später im Gespräch
erfuhren, von der Hausherrin selbst gefertigt waren. Rund
herum an den Wänden lagen große Kissen, die wir
gerne nutzten, um uns daran anzulehnen. Die Tochter des
Lehrers brachte uns Tee und servierte die mitgebrachten
Süßigkeiten und in einer großen Schale
frische Maulbeeren. Wir saßen am Boden und unterhielten
uns mehr oder weniger flüssig. Wir erfuhren, daß
er aus der Volksgruppe der Gaschghai stammt, die zum großen
Teil noch als Nomaden leben. Er erzählte uns, zur Zeit
lebe er in Miete in dem Haus, er wolle sich aber ein eigenes
bauen, was aber nicht so einfach sei. Es scheitere nicht
am Grundstück, das wäre nicht so teuer, das Problem
seien aber die Baustoffe. Als Lehrer verdiene er nicht soviel
und darum müssen er und seine Familie noch sparen um
das nötige Geld zusammenzubringen.
Seine Frau knüpft
in ihrer Freizeit Teppiche, was zusätzlich Geld bringt.
Dafür interessierten wir uns mehr und er zeigte uns
in einem anderen Raum den Webrahmen und wie die Arbeit gemacht
wird. Kurz darauf kam auch seine Frau, die aber im Hintergrund
blieb. Seine Tochter zeigte uns stolz ihr Englischheft und
was sie in der Schule lernt. Es überraschte uns, als
wir erfuhren, daß Englisch die häufigste Fremdsprache
in den Schulen ist, wo es bei uns doch immer in der Presse
heißt, die Iraner wären so negativ gegen die
USA eingestellt. Er versicherte uns, daß seiner Meinung
nach die Iraner überhaupt nichts gegen Amerikanische
Bürger hätten, ihnen paßt nur nicht der
Stil, mit der sich die amerikanische und andere Regierungen
in die Angelegenheiten des Landes mischen würden. Darum
wären auch die Deutschen wesentlich beliebter, da sie
Wert auf guten Handelsbeziehungen und kulturellen Austausch
legen, sich aber in die Innenpolitik nicht einmischen würden.
Natürlich wollten Sie auch etwas über uns erfahren
und wir erzählten von unseren Familien.
Ernst, der
schon häufig in fremden Ländern abseits der Touristenwege
unterwegs war, packte Fotos seiner Familie aus, was, wie
seine Erfahrung zeigte, immer zum Erfolg führt. Auch
diesmal war das Interesse groß. Wir waren Gast in
einem traditionellen Haushalt, das wurde uns bewußt,
als die Dame des Hauses selbst auf Aufforderung von uns
nicht aktiv an der Gesprächsrunde teilnahm. Die Familienfotos
wurden ihr von ihrem jüngsten Sohn gebracht, da sie
in etwa drei Meter Abstand Platz genommen hatte. Auch sie
war Angehörige des Gaschghai-Stammes, sie trug nicht
die schwarzen oder braunen Kleider der Iranerinnen, sondern
die wunderschön gefärbten Stoffe der Nomaden.
Wir unterhielten uns noch lange und verabschiedeten uns
schließlich und bedankten uns sehr herzlich für die Gastfreundschaft
und wurden von unserem Gastgeber sogar noch zu Hotel zurückgebracht.
Wieder hatten wir ein schönes Erlebnis im fremden Land
mit sehr freundlichen Leuten. Wieder hat sich gezeigt, daß
die negativen Schlagzeilen in der europäischen Presse
nicht auf das ganze Land bezogen werden dürfen. Die
normalen Menschen in allen Ländern wollen in Frieden
miteinander Leben. Die wahren Kriegstreiber sind nur wenige,
aber leider gewinnen die immer wieder die Oberhand.
Beim Bus war schon alles in den Kojen und es war eine ruhige
angenehme Nacht.
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