
5. Tag: Isfahan - prachtvollste
Moscheen des Orient

- Startort: Isfahan
- Zielort: Isfahan
- Route über: Stadtbesichtigung
- Besichtigungen: Pol-e Khadju Brücke,
Chehel Sotun Palast, Ali Qapu Palast, Lotfollah Moschee,
Imam Moschee, Bazar
- Fahrstrecke: 49 km
Noch eine Brücke

Im Morgenlicht bestaunten wir die Pol-e Khadju, die schönste
Brücke Isfahans aus dem Jahr 1650. Mit vielen Bögen
und Nischen un Arkaden überspannt sie den Zayanderud.
In
der Mitte der Brücke befindet sich eine Loge mit schönen
malereien. Hier fanden die Herrscher der damaligen Zeit
ein kühles Plätzchen in der heißen Jahreszeit.
Die Brücke war gleichzeitig ein Schleusensystem, mit
dem der Fluß aufgestaut werden konnte um so die Bewäserung
in der trockenen Jahreszeit weiterzuführen. Auf der
Brücke gibt es einige Teehäuser, in denen man
am Flußufer gemütlich Tee trinken und eine Wasserpfeife
geniesen kann.
Der Königsplatz und Chehel
Sotun
Nach
dem Genuß der kühlen Morgenluft am Fluß
führen wir wieder in die historische Altstadt. Ausgangspunkt
war der Königsplatz (Meydan-e Emam), der mit 512x160m
einer der größten umbauten Plätze der Welt
ist. Der Platz wird auch in Buch 'Der Medicus' beschrieben,
dort findet der
Langstreckenlauf statt und es wurde Polo gespielt. Rund
um den Platz sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten
leicht zu erreichen. Wir gehen aber erst durch ein Tor an
der Südwestseite aus dem Platz hinaus. Nach einem kurzen
Stück Weg erreichten wir den Garten
mit dem 'Chehel Sotun', dem 40-Säulen-Palast. Eigentlich
hat das Bauwerk nur 20 Säulen, aber durch die Spiegelung
im Teich davor werden es eben 40. Gebaut wurde es 1647 von
Shah Abbas II. Der Eingangsbereich ist gleichzeitig Thronsaal,
der vergoldet und in der Decke mit aufwendigen Spiegelmosaiken
verziert ist. Hier hat der Herrscher die Botschafter empfangen.
Im Inneren befindet sich ein großer Festsaal, der
heute als Museum dient.Es sind sehr schöne Gemälde
aus verschiedenen Epochen zu bewundern. Was von der gesamten
Anlage nicht bei der Eroberungen der Afgahnen vernichtet
wurde, fiel zum Teil dem Zahn der Zeit zum Opfer.
Der Ali Qapu Palast
Zurück zum Meydan-e Emam besuchten wir einen zweiten
Palast, den Ali Qapu Palast (Hohe Pforte). Es ist der repräsentative
Zugang zur Palastanlage, die sich von hier nach Südwesten
erstreckte. Der fünfstöckige Palast wurde von
den Timuriden erbaut und unter Shah Abbas Ende des 16. Jahrhunderts
zum Regierungssitz umgebaut. Im Palast gibt es sogar kleine
Kamine für den Winter. Reza Abbasi, ein gefeierter
Miniaturmaler der Safaviden verzierte die Wände mit
schönen Malereien. Auf der Terasse des Palastes konnte
man bei angenehmen Temperaturen das Geschehen auf dem großen
Platz verfolgen. Im Hauptsaal kann man eine besondere Art
der Wandverzierung bewundern. In einigem Abstand vor der
eigentlichen Wand wurde eine zusätzliche Gipsverschalung
angebracht, aus der Teile ausgeschnitten wurden. Dadurch
ergeben sich viele kleine Nischen, die wie Flaschen geformt
sind. Darin standen wahrscheinlich Flacons und andere Glas-
oder Metallgefäße. Zusätzlich wirkten die
Nischen wie ein akkustischer Verstärker, warum der
Raum auch Musikzimmer genannt wird.
Sheikh Lotfollah Moschee
Gegenüber vom Ali Qapu steht die Masjed-e Sheikh Lotfollah.
Diese Moschee ist außergewöhnlich durch ihre
feinen Keramik-Einlegearbeiten und die ungewöhnliche
Farbgebung. Es ist die Privatmoschee des Baumeisters Mohammed
Reza ibn Ostad Hossein Isfaháni, wurde 1603 gebaut
und ist nach einem religiösen Führer aus dem Libanon
benannt, der hier begraben liegt. Die Moschee besitzt werden
Garten noch Minarette, die Kuppel ist 32m hoch und cremefarben
mit Einlegearbeiten in Blumen und Arabeskenmustern. Je nach
Tageslicht erscheint sie in anderen Farben. Das Innere ist
ebenso prächtig ausgestattet. Beachtenswert ist hier,
wie bei allen Moscheen, daß die Verzierungen nicht
aufgemalt wurden, sondern aus vielen kleinen Fliesenteilen
zusammengesetzt wird, ähnlich den Intarsienarbeiten
aus Holz.
Imam Moschee
Am südöstlichen Ende des Platzes steht die riesige
Masjed-e Shah, heute Masjed-e Imam. Sie ist ein Meisterstück
islamischer Baukunst und wurde zwischen 1612 und 1630 unter
Baumeister Ali Akbar Isfaháni erbaut. Die herrlichen
Mosaike gehören zu den schönsten im Iran. Das
besondere an der Moschee ist der um 45° versetzte Eingang
mit den 48m hohen Minaretten. Die Drehung ergibt sich daraus,
daß der Platz in Nord-Süd Richtung ausgerichtet
ist, die Moschee aber nach Süden Richtung Mekka. Durch
den wunderbaren 26 m hohen Ewan, eine symbolische Nachbildung
von Stalagtiten einer Höhle in der sich Mohamed aufgehalten
hat, die man am Eingang jeder Moschee findet, gelangt man
in den riesigen Innenhof mit dem rechteckigen Wasserbecken
in der Mitte. Die 54m hohe Gebetshalle wurde gerade renoviert
und so hatten wir die einmalige Möglichkeit zu sehen,
wie die Keramikeinlegearbeiten gemacht werden. Zuerst wird
ein Negativ-Abbild der Kuppel auf dem Boden hergestellt.
Nicht die ganze Kuppel, sondern nur ein Segment, ähnlich
einer Stoffbahn eines Balloons. Damit erhält man die
Biegung der Kuppel. Die einzelnen kleinen Fliesenteile werden
nach Vorlage aus größeren Platten exakt herausgearbeitet
und erst einmal trocken zusammengesetzt. Wenn alles paßt
werden sie mit der Farbseite nach unten in die Negativ-Form
gelegt und mit Gips bestichen, daß die einzelnen Teile
nicht mehr auseinanderfallen. Ist so ein Segment der Kuppel
vollständig, wird dieses wieder in mehrere Einzelteile
zerlegt, die transpotierbar sind, schließlich muß
der Arbeiter in luftiger Höhe ohne größere
technische Hilfsmittel arbeiten. Die einzelnen Teile werden
auf die Kuppel hinauf transportiert und dort an der Kuppel
befestigt. Ich muß es hier nochmals betonen, die Bauwerke
sind nicht bemalt, sondern aus tausenden von Einzelteilen
wie ein Mosaik zusammengesetzt. Die Handwerker sitzen mit
eigentlich viel zu großen Hämmern da uns schlagen
von größeren glasierten Fliesen kleine Teile
ab, die dann noch passgenau mit eben diesen großen
Hämmern bearbeitet werden. Es ist erstaunlich, mit
wieviel Gefühl die Steinmetze dies tun. Einer ließ
es mich versuchen, aber schon beim ersten zögerlichen
Schlag war die Fliese im Eimer. Im Falle der Imam-Moschee
wurden 18.000.000 Ziegel und 500.000 Fayencekacheln verbaut.
Die Reiseführer sprechen von einem der imposantesten
Bauwerke der Welt. Rechts und links von der Gebetshalle
schließen sich die Wintergebetssäale an. Ein
siebenfaches Echo kann man hören, wenn man auf den
schwarzen Pflastersteinen des östlichen Innenhofes
steht, man muß nur kräftig aufstampfen.
Die restliche Zeit nutzten wir für einen ausgedehnten
Spaziergang durch die Gassen der Altstadt.
Eine Straßenbekanntschaft
Nach dem Abendessen spazierten wir in ein relativ modernes
Wohngebiet. An der einzigen Zufahrtsstraße war ein
Wachhäuschen mit Schlagbaum, das aber nicht besetzt
war. Es wurde bereits dunkel und wir standen am Rand des
Wohngebietes an einem Zaun, durch den immer wieder Menschen
kamen und beratschlagten, wo wir hingehen sollten. Da kam
ein Mann und fragte mit Gesten ob wir durch den Zaun wollten.
Als wir verneinten kam er durch und begann ein Gespräch.
Ernst und der Fremde unterhielten sich in französisch,
das ich nicht verstand. Damit ich auch mitreden konnte,
wechselten sie zu Englisch. Nach kurzer Zeit lud uns der
Mann zum Tee in sein Haus ein. Obwohl es uns Anfangs unangenehm
war, willigten wir ein und gingen mit. Am Eingang seines
Hauses sprach er mit seiner Frau über die Türsprechanlage.
Durch einen kleinen Garten ging es zu Eingang. Wir zogen
die Schuhe aus, wie es üblich war, und ich war völlig
baff, als ich das Innere des Hauses betrat. Es war sehr
vornehm eingerichtet, mit persischen Möbeln im englischen
Stil. Wir nahmen im Wohnzimmer Platz und die Hausherrin
bot uns Tee und Gebäck an. Während des Gespräches
stellte sich heraus, daß der Herr Professor an der
Universität Isfahán ist. Wir sprachen über
alles Mögliche, klammerten aber die Politik aus, da
wir nicht wußten wir Herr Tabari reagieren würde.
Kurze Zeit später klingelte es und ein weiterer Mann
kam herein. Ein typischer Perser, wie man ihn sich vorstellt.
Zu unserer Überraschung begrüßte er uns
in ausgezeichnetem Deutsch. Er studierte und arbeitete viele
Jahre an der Universität in Heidelberg und kehrte ins
Land zurück, nachdem die Mullahs die Regierung übernahmen.
Obwohl er auch einige schlechte Erfahrungen mit den Mullahs
gemacht hatte, sagte er trotzdem, daß er in jedem
Fall im Land bleiben würde, da er es wichtig finde,
gerade mit seiner Ausbildung am Fortschritt mitzuarbeiten.
Im übrigen wollte er am nächsten Wochenende heiraten
und wir wären herzlich dazu eingeladen. Der Abend war
hochinteresant und vergnüglich. Kurz vor Mitternacht
verabschiedeten wir uns uns gingen zurück zum Bus.
Wieder einmal war alles ganz anders als ich es in Deutschland
gehört hatte. Egal, ob wir auf der Straße unterwegs
waren, oder wie hier sogar eingeladen wurden, die Menschen
sind ausgesprochen freundlich und möchten Kontakte
knüpfen.
Ein angenehmes Reiseland.
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