
3. Tag: Qom - wo die Mullahs
studieren
- Startort: Teheran
- Zielort: Isfahan
- Route über: Qom, Deligan
- Besichtigungen: Qom: Fatima Moschee,
Basar
- Fahrstrecke: 445 km
Von
unserem Camp fuhren wir in Richtung Süden aus der Stadt.
An einem der Wohnhäuser entdeckten wir ein riesiges
Wandbild, das einen der Führer der Revolution dastellt.
Wenn ich mich recht erinnere soll es Scheich Faslallah sein.
Bereits kurz hinter der Stadtgrenze beginnt es trockener
zu werden.
Durch die erste Wüste
In der Wüstenregion Kusk-e Nosrat entdeckten wir noch
ein winziges Bächlein, das von einem Regenguß
am Vortag gefüllt wurde. Eigentlich sind die Wüsten
im Iran keine Wüsten wie man sich das landläufig
so vorstellt. Es sind in der Hauptsache Steinwüsten,
die mit niedrigen Büschen bewachsen sind, oder Salzwüsten,
die besonders gefährlich sind, weil die Oberfläche
durch die Hitze verkrustet ist,
man aber im Schlamm versinken kann, wenn man einbricht.
Wenn man in der Wüste kurze Zeit sucht, kann man Blumen
mit wunderschönen Blüten sehen und eine ganze
Menge Tiere, hauptsächlich Insekten. So Lebensfeindlich
ist es garnicht, außer man hat kein Wasser mehr.
Schon auf der Fahrt nach Qom beschwor uns unser Reiseleiter,
der Rainer, wir kämen jetzt in eine kritische Stadt,
hier würde die gesamte Führungselite des Iran
ausgebildet. Wir sollten keine zu großen, auffälligen
Gruppen bilden, uns still verhalten, unter keinen Umständen
einen Mullah fotografieren und uns wenn möglich völlig
unsichtbar machen. Schöne Aussichten waren das. Wie
soll man eine Stadt und ihre Kunstwerke besichtigen, wenn
man sich kaum bewegen darf.
In Qom
Als wir dann auf die Stadt zufuhren und schon von weitem
die prächtigen Kuppeln der Moschee der Fatima (Masjed-e
Azam) sahen, war ich überwältigt. Die goldfrabene
Kuppel glänzte herrlich im Sonnenlicht.
Wir
parkten am Ufer eines ausgetrockneten Flusses, und machten
uns auf den Weg zur Grabmoschee. Da merkte ich, daß
ich vergessen hatte, mir Socken anzuziehen, es war ja auch
ausreichend heiß. Also, um nicht aufzufallen, mußten
Socken her. Zum Glück gibt es überall Händler,
die alles mögliche verkaufen und so besorgte ich mit
weiße Sochen, die 30 Rial (ca. 0,30 DM) kosteten und
bis heute gehalten haben.
Das Straßenbild von Qom ist geprägt von Mullahs
und Studenten (die ähnlich gekleidet sind) und so dachten
wir erst, nur nicht auffallen. Wir besichtigten den großen
Platz vor der Grabmoschhe der Fatima. Fatima war die Schwester
von Emam Reza, den 8. Imam der Shiiten, und starb hier,
nachdem sie in der Kleinstadt Save krank wurde und gerade
noch Qom erreichen konnte. Die über ihrem Grab errichtete
Moschee wurde ein bedeutendes Pilgerziel. Qom ist nach Maschad
die zweitwichtigste heilige Stadt der Shiiten im Iran.
Qom, das etwa 140 km südlich von Teheran liegt, ist
die wichtigste Ausbildungsstätte für Geistliche
im Iran. Die Universität wird vom Staat kräftig
unterstützt. Der bekannteste Student und Theologe war
der spätere Staatspräsident Imam Ajatollah Khomeini,
der von hier aus den Kampf gegen das Shah-Regime begann.
Qom ist nach Mashad der wichtigste Pilgerort im Iran. Wann
Qom gegründet wurde ist nicht feststellbar, wurde aber
im Jahr 816 zum Pilgerort, als Fatima Masumeh, die Tochter
des siebten Imam auf ihrer Reise nach Tus zu ihrem Bruder
erkrankte und hier starb.
Die
Stadt wurde 1221 von den Mongolen zerstört. Im 16.
Jahrhundert erblühte die Stadt von neuem als Pilgerort.
Das Grabmal der Fatima Masumeh ist ein großer Komplex,
umgeben von hohen Ziegelmauern. Die goldene Kuppel über
der Grabkammer ist aus 12.000 Goldplättchen hergestellt
und 32 m hoch.
Und so standen wir da auf diesem Platz und Rainer erklärte
und was es hier zu sehen gab. Leider konnten wir nicht in
die Moschee hinein, zum einen weil es ein wichtiges Heiligtum
ist, zum anderen war die Zeit des Ashura-Festes, das für
die Shiiten außerordentlich wichtig ist. Dazu aber
später mehr, wenn wir nach Teheran zurückkehren.
Da kam Tari plötzlich zu uns und meinte, ich und drei
oder vier andere könnten zumindest vom Tor aus einen
Blick in den Innenhof werfen, er hätte mit den Wächtern
gesprochen. Gesagt getan, wir gingen zum Eingang. Es war
ein umwerfender Anblick. Schon allein der Innenhof war pächtig
ausgestalltet. Wir konnten den Eingangsiwan zur Grabkammer
sehen, der aus massenhaft Spiegel hergestellt war. Und dann
tauchte auch schon Rainer auf und scheuchte uns weg, er
hatte sichtlich Bedenken, damit wir keine Schwierigkeiten
bekamen.
Die Begegnung mit den Mullahs
Als
wir den offiziellen Besichtigungsteilabgeschlossen hatten,
konnten wir uns doch noch umsehen. Wir lösten uns in
kleine Gruppen auf und verstreuten uns. Einige der Damen
besorgten sich im Basar noch einen Tschador, da sie von
zu Hause die falsche Kleidung mitgebracht hatten. Ich ging
mit Ernst auch erst mal zum Basar. Und weil wir ja in einer
Pilgerstadt waren, kaufte ich mir eine Pilgerkappe, ein
aus schwarzer Wolle gestrickes Mützchen. Die war garnicht
schlecht, sie schütze vor allzu großer Sonnenstrahlung.
Wir gingen weiter Richtung Wohngebiete, und kauften uns
an einem Obststand ein paar Orangen. Da standen auch ein
paar Iraner und zwei Mullahs. Wir benahmen uns ganz artig
und grüßten mit einem freundlichen 'Salam'. Das
wurde erwidert und sogleich kam die Frage, wo wir denn her
kommen. Als wir sagten, wir sind aus 'Almani', Deutschland,
erlebten wir eine Überraschung. "Ahh, Almani,
gut, Almani gut" und dann wollten sie, daß wir
sie gleich fotografieren. Einer der Männer konnte ein
wenig Englisch und wir mußten erzählen was wir
im Iran noch alles unternehmen wollen. Damit hatten wir
nicht gerechnet, nach allem, was uns Rainer erzählt
hat und was wir in Deutschland aus den Medien wußten.
Nach einiger Zeit gingen wir weiter, durch kleine Gassen,
an einem Schuster und einem Friseur
vorbei, den Ernst gerade fotografieren wollte, als einer
der beiden Mullahs von vorhin wieder auftauchte. Er konnte
nicht Englisch, gab mir aber zu verstehen, daß ich
ihm folgen sollte. Also gingen wir hinter ihm her. Er verschwand
in einem Hauseingang und winkte uns, daß wir nachkommen
sollten. Da wurde uns dann doch ein wenig mulmig, aber als
ein weiterer Mullah kam, der uns dann erklärte, daß
hier eine Koranschule sei und wir willkommen seien, gingen
wir doch hinen. Durch das Eingangstor kamen wir in einen
einfachen Innenhof, von dem aus einige Räume erreichbar
waren. Es wurde uns angedeutet, daß in den Räumen
die einzelnen Klassen unterschiedlichen Alters von Ihren
Lehrern unterrichtet werden. Wir konnten uns alles genau
anschauen, die Mullahs waren sehr freundlich und als wir
und verabschiedeten, war das Bild, das ich aus den westlichen
Medien kannte völlig über den Haufen geworfen.
Rainer erzählten wir zunächst natürlich
nichts von unserer Begegnung. Nach dem Mittagessen hatten
wir noch ein wenig Zeit und beim herumschlendern in der
Stadt besuchten wir noch eher zufällig einen 'Heldenfriedhof',
wo Opfer des Iran-Irak Krieges beigesetzt sind. Auch hier
konnten wir uns völlig frei bewegen und keiner der
Anwesender Geistlichen beachtete uns. Am frühen Nachmittag
machten wir uns dann auf den Weg nach Isfahan.
Dieser Aufenthalt in Qom veränderte, wie schon erwähnt,
meine Einstellung gegenüber der Iranischen Bevölkerung
zum ersten Mal zum positiven. Durch die Berichterstattung
in den westlichen Medien gewinnt man den Eindruck, die Mullahs
in diesem Land sind nichts weiter als fanatische Monster.
Dies mag für einen Teil zutreffen, aber sicher nicht
für die Mehrheit der Bevölkerung. Das Erlebnis
mit den Mullahs der Koranschule, die ja gerade in Qom besonders
scharf sein sollen, beweist dies. Natürlich darf man
auch nicht vergessen, was nach der Machtübernahme der
Mullahs und zum Zeil auch noch heute im Iran geschieht.
Es gab tausende von Toten unter der Bevölkerung und
Menschenrechte wurden massiv mißachtet. Ganze Volksgruppen
wurden vefolgt, wie z.B. die Glaubensgruppe der Bahaj, eine
moslemische Sekte, aber von den Shiiten als Nichtgläubige
verachtet werden. Nun ja, wie in jeder Religion werden die
Grundlagen des Glaubens, die Urschriften, wie die Bibel
oder der Koran, unterschiedlichst ausgelegt. Wenn dabei
jedoch die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, die in
allen Religionen enthalten ist, muß das verurteilt
werden.
Auf dem Weg nach Isfahan
Auf
unserer Fahrt nach Isfahan hatten wir zwei lustige Erlebnisse.
Das erste bezog sich auf menschlichen Bedürfnisse,
die jeden plagen. Wie man Toilettenhäuschen benutzt,
erklärte uns Rainer. Die Damen immer in die linke Tür,
die Herren in die rechte. Wenn man das weis, ist man immer
richtig, auch wenn man die persischen Schriftzeichen nicht
lesen kann. In der Nähe von Deligan war es dann soweit.
An einem Kreisverkehr hielten wir an, damit jeder sich erleichtern
konnte. Ein Örtchen der besonderen Art wartete da auf
uns. Es stand da mittein in der Einöde und war an den
Außenwänden mit grünen Bergwiesen, Bächen
und Meeresstrand bemalt, was den Druck bei manchem sicher
verstärkte. Allen Belehrungen zum Trotz, gingen die
Damen durch die falsche Tür. Ein iranischer Lkw-Fahrer,
der das stille Örtchen aufsuchen wollte, kam völlig
verstört aus der Tür und wußte nicht wie
ihm geschah.
Bei
einem Fotostop sahen wir die erste große Schafherde
und ich war noch mit dem Fotographieren von Wüstenblumen
beschäftigt, als mich Ernst rief. Er hatte mit dem
Hirten ein Gespräch begonnen, nicht verbal, sondern
mit Gesten, Händen und Füßen. Er fand heraus,
daß der Schäfer eine Zigarette wollte und da
Ernst nicht raucht, mußte ich eine spendieren. Und
so stand er dann rauchend und freundlich lächelnd neben
dem Bus und winkte, als wir weiterfuhren.
Gegen Abend kamen wir dann im Hotel Tourist Inn an, wo
der Bus für die nächsten zwei Tage stehen blieb.
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