
4. Tag: Isfahan - Perle in
der Wüste
- Startort: Isfahan
- Zielort: Isfahan
- Route über: Stadtbesichtigung
- Besichtigungen: Armenierviertel, Vank-Kathedrale,
Si-o-se pol Brücke, Freitagsmoschee, Basar, Königsplatz
- Fahrstrecke: 40 km
Isfahan - Geschichte und Daten
Isfahan ist die Hauptstadt der gleichnahmigen Provinz.
Es ist eine Oasenstadt an den östlichen Hängen
des Zagrosgebirge und liegt auf ca. 1.570 m Höhe. Die
Temperaturen liegen zwischen 0° und 14° im Winter
und etwa 27° im Sommer. Rund um die Stadt gibt es viele
Baumwollfelder und Textilindustrie.
Gegründet
wurde Isfahan etwa im 4-5 Jahrhundert v. Chr. in der Zeit
der Achämeniden. Während der Regierungszeit der
Parther war Isfahan Hauptstadt, zur Zeit der Sassaniden
Heerlager. Viele Juden haben sich ca. 400 v. Chr. im Stadtteil
Yahudiye angesiedelt, da die Frau von König Yazdsgred
I. Jüdin war. 1047 wurde die Stadt von den Seldschuken
erobert und erlebte danach ihre Blütezeit. 1397 Eroberung
durch Timur-e Leng (Tamerlan), der 70.000 - 200.000 Einwohner
abgeschlachtet haben und deren Köpfe zu minaretthohen
Türmen aufgeschichtet haben soll.
1598 verlegte Shah Abbas I. dorthin die Hauptstadt. Die
Einwohnerzahl stieg in nur 20 Jahren von 60.000 auf 600.000.
162 Moscheen, 48 Schulen, 1802 Karawansereien wurden damals
gezählt. Daher auch der Auspruch "Isfahan ist
die Hälfte der Welt". 1722 Eroberung durch die
Afghanen, die die Stadt in Schutt und Ache legten. In letzter
Zeit gewinnt Isfahan wieder an Bedeutung, auch für
den Tourismus, da hier sehr schöne Baudenkmäler
zu bewundern sind. Heute hat die Stadt etwa 662.000 Einwohner
und ist unter anderem ein Zentrum für Kunsthandwerk
und Teppiche.
Im Armenierviertel
In
aller Frühe aufstehen. Wie immer, duschen im Hotelzimmer,
hatte sich ganz gut eingespielt, es wollen nicht mehr alle
auf einmal in die Dusche und Frühstücken. Dann
Abfahrt in die Stadt. Als erstes besuchen wir das Armenierviertel
Djolfa und die christliche Vank-Kathedrale in einer Seitenstraße
der Khiaban-e Nazar. Etwa 50.000 Armenier wurden von Shah
Abbas 1605 ins Land geholt und bilden seither eine kleine
Gemeinde in ansonsten moslemischen Isfahan. Die Kirche wurde
im Jahren 1655-1664 erbaut. Während der Regierung von
Shah Abbas I. wurden die Armenier von der Stadt Jolfa in
Aserbaidschan in diesen Stadtteil umgesiedelt. Die
Kirche ist in persisch-armenischem Stil erbaut und ist im
Inneren mit schönen Ikonen und Fresken byzantinischen,
persischem und westeuropäischem Stil ausgeschmückt.
Sie stellen die Geschichten des alten und neuen Testaments
dar. Das kleine Museum gegenüber der Kirche enthält
eine feine Sammlung armenischer Kultgegenstände und
Bücher. Besonderer Höhepunkt ist eine Federzeichnung
Rembrands, die Abraham darstellt.

Brücken und Moscheen
Weiter
ging es zur 'Si-o-se pol', die 33-Bogen-Brücke. Diese
Brücke wurde unter Shah Abbas I. im Jahre 1602 von
seinem General Allaverdi Khan gebaut. Die Brücke ist
14m breit, 300m lang und führt über den Zayanderud
Fluß. Nach einem Spaziergang über die Brücke
im kühlenden Wind des Flusses, ging es weiter in den
historischen Stadtkern.
Die
Masjed-e Jom´e (Jami Moschee oder Freitagsmoschee)
am am nordöstlichen Ende des Basars wurde ca 700 n.Chr.
erbaut. Auf einer Grundfläche von 125x85 m treffen
durch laufende Umbauten islamische und persische Baukunst
zusammen. Der Hauptgebetsraum aus der Zeit der Abbasiden
bzw. Bujiden wird von 306 Säulen gestützt.
Beachtenswert
ist ein Mihrab aus feinster Stuckarbeit mit Kufi-Inschriften,
den Oljailu 1310 erbauen lies. Es ist schon erstaunlich,
über welche Fähigkeiten die damaligen Handwerker
verfügten, wenn man es mit der Kunstfertigkeit heutiger
vergleicht.
Ein
ausgibiges Mittagessen gab es im Abbasi-Hotel, das früher
einmal ein große Karawanserei war und in dem heute
ein Doppelzimmer für $140 zu haben ist, mit allem Komfort
versteht sich. Alleine der Innenhof des Hotels wurde zu
einem wunderschönen Garten mit erfrischenden Springbrunnen
und schattigen Ecken umgebaut. Der Tee nach dem Mittagessen
schmeckte uns in dieser Umgebung besonders gut.
Der große Qaysarieh-Basar
Natürlich
statteten wir auch dem großen Qaysarieh-Basar einen
Besuch ab. Der liegt am nordwestlichen Ende des Königsplatzes,
zumindest ist da der Hauptteil. Eigentlich verläuft
der ganze Basar rund um den Platz unter den Arkaden und
dann weiter in westlicher Richtung. Der Basar ist riesig,
im Prinzip ein eigenes Stadtviertel. Wie das eben bei Reisegruppen
so üblich ist, mußten wir uns in einem Tepichladen
die gesamte Kollektion vorführen lassen. Es waren wirklich
ausgesprochen schöne Stücke darunter, aber was
sollte ich mit einem Teppich. Sogleich nach der Präsentation
und noch bevor die großen Verkaufsverhandlungen begonnen
hatten, seilten wir uns ab.
Den Basar, den wir hier vorfanden, ist noch so ursprünglich
wie seit Generationen, nur die Produkte sind eben moderner
geworden. Auch hier waren die Basari überraschenderweise
sehr freundlich aber keineswegs aufdringlich. Eine angenehme
Erfahrung, im Vergleich zu anderen orientalischen Ländern.
Gleich nach 50 m war da ein winziger Laden mit herrlichen
Miniaturen.
Das ist eine Spezialität der Isfahani, bei der sehr
fein, teilweise nur mit einem einzigen Pinselhaar, gemalt
wird. Nach einem kurzen Gespräch über dies und
das, eröffnete mir der Verkäufer, daß eine
der Iranischen Briefmarken von ihm gemalt wurde und er zeigte
mir viele seiner prächtigen Stücke. Natürlich
malte er auf echten Knochen, was er mir sofort vorführte,
indem er ein Bild mit dem Feuerzeug anzünden wollte.
Knochen brennt aber nicht, im Vergleich zum üblichen
Plastikzeug, das man auf türkischen Basaren bekommt.
Gleich zu Anfang hatte ich ein kleines Bild gesehen, das
ich gerne gekauft hätte. Natürlich erklärte
er mir, daß gerade dieses Bild eines seiner besten
sei und nach einigem hin und her kaufte ich es für
$30,-. Wie eine Miniatur entsteht, konnten wir in einem
weiteren Laden bewundern. Der Künstler, dessen Ausbildung
mehrere Jahre dauert, führte uns die Technik freundlicherweise
vor. Die Pinsel für die feinsten Linien sind teilweise
nur ein einziges Haar stark. Wie die Leute ohne Lupe solche
schönen Bilder zustande bringen ist mir schleierhaft.
Ein
Stück weiter besuchten wir den Laden eines Rahmenmachers.
Die bunten Rahmen für die Miniaturen sind ausserordentlich
kompliziert in der Herstellung. Zunächst werden dünne
Stäbe aus verschiedenen Materialien und Farben gebündelt,
wobei immer ein bestimmtes gleichmäßiges Muster
erzielt werden muss. Bei der Menge von Stäben keine
leichte Aufgabe. Ist das Muster endlich zusammengestellt,
wird das Ganze verklebt. Anschließend werden die Bündel
mit einer Säge in dünne Scheiben geschnitten.
Diese Scheiben werden nun nebeneinander gelegt, um wieder
ein Muster zu erzeugen. Den genauen Vorgang zu beschreiben,
wäre zu aufwendig. Zuletzt wird dar Rahmen geschliffen
und mit einer Lackschicht überzogen. Rahmen, die mit
dieser Technik erzeugt werden, sind mittlerweile auf in
anderen Ländern und Städten ausserhalb von Persien
verkauft, z.B. fanden wir sie in Istanbul.
In
diesem Basar gab es bis auf unsere Gruppe keine Touristen,
hierher kommen die Einheimischen und kaufen alles was sie
für den Haushalt brauchen. Der Basar ist in mehrere
Bereiche eingeteilt, da gibt es eine Küchenabteilung,
in der vom Spüli bis zum Kühlschrank alles zu
haben ist. Dann ist da die Metallwarenabteilung, hier kann
man Messing- und Kupferwaren kaufen und wer´s braucht,
auch eine Teekanne mit 2m Höhe oder einen Kochtopf
mit 2,50 m Durchmesser (die werden tatsächlich gebraucht,
beim Aschurah-Fest).
Am Ende sind wir dann noch bei einem Laden angekommen,
wo wir uns mit Reisemitbringseln eingedeckt haben. Ein paar
Miniaturen, natürlich die billigen zum Verschenken,
Silberdöschen, Bilderrahmen und was man sonst noch
so braucht.
Wir konnten in den kleinen Handwerksbetrieben noch so manche
Entdeckung machen und sahen, wie kompliziert und aufwendig
die Herstellung der typischen Bilderrahmen ist, oder wie
die riesigen Töpfe für das Aschurah-Fest hergestellt
werden.
Abends am Meydan-e Emam
Am Abend fuhren wir mit einem Taxi nochmal allein in die
Stadt zum großen Königsplatz, dem Meydan-e Emam.
Aber so einfach war das garnicht. Ein Taxi zu bekommen ist
nicht schwer, man braucht sich nur an den Straßenrand
stellen und schon halten die Autos an. Aber die meisten
sind garkeine echten Taxis, das sind Privatleute, die andere
gegen kleine Bezahlung mitnehmen, um so das Benzingeld zu
verdienen. Und wir erwischen zufällig einen, nicht
einmal aus Isfahán stammte. Es war ein junger Student
aus Teheran, der sich auf diese Weise zusätzlich Geld
verdiente. Das Auto war in Ordnung, der Fahrstil ging so,
aber leider kannte er sich nicht aus. Auf dem Stadtplan
zeigten wir ihm wo wir hinwollten und er nickte. Unterwegs
fragte er öfters andere Autofahrer an der Ampel wie
der richtige Weg sei. Genau wußten wir nicht was er
sagte, aber den Namen des Königsplatzes, Meydan-e
Emam, hörten wir immer wieder. Plötzlich hielt
er an und stieg aus. Als er zurückkam, hatte er drei
Zigaretten gekauft (man kann hier Zigaretten einzeln kaufen),
die er uns anbot. Als wir dann doch noch ankamen, zahlten
wir gern die 35 Rial und ich schenkte ihm dann auch noch
ein paar von meinen Zigaretten, weil er wirklich nett war
und uns viel Spaß bereitete.
Es war eine wunderbare Stimmung auf dem abendlichen Platz,
der schön beleuchtet war. Die einheimischen Familien
saßen in den Wiesen und alle hatten ihr Abendessen
dabei. Wir wurden von einer Familie eingeladen eine Kleinigkeit
mitzuessen. Und da war sie plötzlich, die gute persische
Küche, zwar war das Essen sehr einfach, aber im Vergleich
zu unseren üblichen Mahlzeiten in den Lokalen wesentlich
abwechslungsreicher.
Als
wir wieder zurück zum Bus kamen, saßen da noch
ein paar Nachtschwärmer. Selbst hier mußten die
Damen ihre Kopftücher oder Tschadors tragen, es hätte
ja sein können, daß ein Einheimischer zufällig
vorbeikommt. Wir gesellten uns dazu und erzählten,
was wir eben erlebt hatten. Ein wenige neidisch waren die
anderen dann schon, aber es war auch verständlich,
daß nicht jeder in einem so fremden Land Abends noch
unterwegs sein will.
Ein sehr schöner Abend.
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