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14.
Tag: Mashad - Wahlfahrtsort der Shiiten
- Startort: Torbat-e Heidariye
- Route über: Robat-e SangEslam Qal'e, Emam Taqi, Toroq
- Zielort: Mashad
- Besichtigungen: Imamzadeh des 8. Imam Reza, Imam Reza Museum,
Nadir Shah Mausoleum, Basar
- Fahrstrecke: 153 km
Trotz der Übelkeit und des Durchfalls hatte ich gut
geschlafen. Ich hatte nicht mal mitbekommen, als die Männer
ziemlich spät zum Bus zurückgekommen waren. Jedenfalls
hat mir der lange und tiefe Schlaf außerordentlich gut
getan, mir ging es wieder sehr gut. Eine Dusche war aber
zum aufwachen dringend nötig. Kein Problem, denn die
Sportanlage war von Deutschen vor vielen Jahren gestiftet
und auch gebaut worden. Entsprechend europäisch waren
die sanitären Einrichtungen. Auf dem Weg zur Dusche
warf ich einen Blick in die große Mehrzweckhalle.
Die Geräte waren zwar nicht die neuesten, aber in Ordnung.
Auf dem Boden der Halle verteilt lagen Ringermatten und
ein paar Buben übten fleißig. Iran ist ja bekannt
für seine guten Ringer, jetzt wußte ich wo die
herkamen. Das Frühstück schmeckte auch und so
gestärkt, machten wir unseren Schlafanhänger wieder
fahrfertig. Einige der Honoratioren der Stadt waren schon
als Verabschiedungskomite aufgetaucht und nach kurzem Gesprächen
über den vergangenen Abend verabschiedeten wir uns.
Da der Hof, in dem der Bus die Nacht über stand sehr
eng war, mußte Gerhard die zweite Ausfahrt benutzen.
Die war aber zu niedrig, Stromleitungen behinderten den
Weg. Ein paar einheimische Helfer stiegen auf die Mauer
und hoben mit Stangen die Leitungen an. Mit Hilfe eines
Polizisten, der Gerhard einwies kam der Bus ohne Beschädigungen
durch das Tor.
Zunächst ging es wieder mit Polizeieskorte zum Stadtrand,
wo Rainer am obligatorischen Militärposten mit Taris
Hilfe die Formalitäten erledigte. Es ging vorbei am
2625 m hohen Kuh-e Gam in Richtung Norden. Während
des Weges durch ein ausgestrecktes Tal, das wiedereinmal
sehr trocken war, konnten wir das malerische Farbenspiel
der Gebirgsketten sehen. Durch Einlagerungen von verschiedenen
Metallen wird der Fels in unterschiedlichste Farben eingefärbt.
Erkennbar sind die unterschiedlichen Schichten der Ablagerungen,
die im sich ändernden Tageslicht immer wieder anders
aussahen. Des öfteren trafen wir in dieser einsamen
Gegend bei unseren Pinkelpausen auf Einheimische.
Ankunft in Mashad
Bei Toroq, kurz vor Mashad, trafen wir auf die alte Heeres-
und Handelsstraße, die von Kabul und Herat in Afghanistan
nach Mashad und weiter zu Kaspischen Meer führt. Kurz
vor Mashad sahen wir einen ziemlich zerbeulten Reisebus
neben der Straße liegen. Es standen noch Leute herum,
also mußte der Unfall erst vor kurzer Zeit passiert
sein. Das war aber auch der einzige Unfall, den wir in den
drei Wochen gesehen haben. Obwohl die Iraner einen meiner
Meinung nach furchtbaren Fahrstil haben, passieren scheinbar
wenige schwere Unfälle, da das Tempo nicht sehr hoch
ist. In Mashad angekommen, fuhren wir erst einmal in Hotel
Mashad Inn zum Mittagessen.
In der Imamzadeh des 8. Imam Ali Reza
Frisch gestärkt wollten
wir natürlich die 'Runde Stadt', den heiligen Bezirk
der Imamzadeh des 8. Imam Ali Reza besuchen. Dort angekommen,
sahen wir schon eine große Menge Einheimischer, die
ebenfalls den Pilgerort besuchen wollten. Wir gingen zum
Eingang und warteten. Rainer und Tari verschwanden im Wärterhäuschen.
Und wir warteten und warteten und warteten. Dann hieß
es wir könnten nicht hinein, weil wir Ungläubige
seien und im übrigen ist Moharram, der Monat der Trauer,
und da könnten Ausländer nicht einmal in die Nähe
in den heiligen Bezirk. Aber dann, nach etwa eine Stunde
langwieriger Verhandlungen hatte es Tari doch geschafft,
daß wir nach Leibesvisitation zumindest das Moqaddas
Museum besuchen konnten, das am Rand des heiligen Bezirkes
liegt. Der Leiter des Museums persönlich übernahm
die Führung. In den Räumen gibt es kunsthandwerkliche
Dinge zu sehen, die über die Jahrhunderte hinweg als
Weihegaben geschenkt wurden. Bei der Gelegenheit erfuhren
wir auch den Grund für die enormen Sicherheitseinrichtungen
und Kontrollen im heiligen Bezirk, die nicht nur wir, sondern
auch die Einheimischen Besucher durchlaufen mußten.
Vor einigen Jahren gab es einen Terroranschlag innerhalb
des Geländes, bei dem viele Meschen gestorben sind.
Warum ist Mashad ein Wallfahrtsort?
Der 8. Imam Ali Reza
wurde von Kalif Mamun, ein Sohn von Harun al-Rashid (bekannt
aus den Geschichten von Tausend und einer Nacht), aus politischen
Gründen als sein Nachfolger eingesetzt. Bei einem Besuch
des 8. Imam der Shiiten in Sanabad, heute ein Vorort von
Mashad starb der Imam im Jahre 817 n. Chr. plözlich,
nachdem er Früchte gegessen hatte. Kalif Mamun ließ
ihn neben seinem Vater begraben. Der plötzliche Tod
des Imam schürte die Gerüchte, er sei vergiftet
worden. Als Führer der Shiiten wurde er von diesem
Zeitpunkt besonders verehrt und die Stätte als "Ort
des Martyriums" bezeichnet, wie der Name Mashad übersetzt
lautet.
Das Mausoleum des Nadir Shah
Unsere Tour führte uns nun zum Mausoleum des Nadir
Shah, das in Mitten einer Parkanlage liegt. Nadir Shah war
ein turkmenischer Nomade, der im Jahr 1730 die 8 Jahre zuvor
begonnene Schreckensherrschaft der Afghanen beendete. Kurze
Zeit später vertrieb er auch die übrigen fremden
Truppen aus dem Land, die nach dem Untergang des Safawiden-Reiches
in den Iran eingefallen waren. 1736 ließ er sich zum
Shah krönen. Unter seiner Herrschaft dehnte sich das
Land vom Euphrat bis zum Indus aus. Sein bekanntester Feldzug
war im Jahr 1739, als er in Indien des Pfauenthron und den
Koh-i Nor Diamanten erbeutete. Im Jahr 1747 wurde er ermordet,
als sein Regierungsstil immer grausamer wurde. Das Mausoleum
stammt aus den 60er Jahern unseres Jahrhunderts.
Am Abend waren wir zu viert in einem der wenigen Restaurants
in Persien. Eine Gruppe Männer am Nachbartisch kamen
zu uns, luden uns ein und es entwickelte sich rasch ein
längeres, interessantes Gespräch. Zurück
beim Bus schliefen wir schnell ein.
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