
12.
Tag: Kerman, durch die Wüste Lut und am Abend Sandsturm
- Startort: Kerman
- Route über: Haruz, Darband, Deyhuk
- Zielort: Ferdous
- Besichtigungen: Freitags Moschee, Gonbad-e Mustakije, Qanaten,
Wüste Lut
- Fahrstrecke: 559 km
Die Freitagsmoschee
Heute hatten wir nochmal eine ziemlich lange Fahrstrecke
zu bewältigen, mußten also sehr früh aufstehen.
Es war 7:00 Uhr als es dann losging. Zunächst bewegten
wir uns wieder Richtung Innenstadt von Kerman und besuchten
dort die Freitagsmoschee. Sie erreicht man über eine
schmale, mit Ziegelarkaden eingefaßte Straße.
Am Ende der Straße steht man vor einer Fassade, die
komplett mit feinem Fliesenmosaik verziert ist. Ursprünglich
wurde die Moschee 1349 erbaut, im Laufe der Zeit aber von
Safawiden und Quadjaren umgebaut und verschönert. Die
einzelnen Baustile kann man bei den Ewanen erkennen. Der
Westewan ist noch fast unverändert von 1349, der Südewan
stammt aus der Safawidenzeit.
Die Derwischmoschee
Ein Stück weiter, vorbai an verschiedenen Händlern
und Verkaufsständen steht das Mausoleum Gonbad-e Mustakije,
eine Derwischmoschee. Das Gebäude mit den drei Kuppeln
stammt aus quadjarischer Zeit und sitzen auf je einem Mauerring
(Tombur) die durch Kacheln mit geometrischen Kufi-Inschriften
geschmückt sind. In jeder der Kuppeln befindet sich
eine Grabkammer, die mit sehr feinen Wandmalereien verziert
sind.
Auf dem Rückweg zum Bus kamen wir an einer Metzgerei
vorbei. Sie war sauber und das Fleisch hing an den gekachelten
Wänden. Kühlregale gab es keine, aber ich denke
das Lammfleisch war trotzdem frisch, zumindest sah es gut aus.
Über das Kuhha-ye Kuhpaye Gebirge
Den Rest des Tages verbrachten wir hauptsächlich im
Bus. Die Strecke nach Ferdouz war bestimmt durch Landschaft
pur. Zunächst durchquerten wir das fast 3.000 m hohe
Kuhha-ye Kuhpaye Gebirge. Auch im Sommer sind die Gipfel
mit Schnee bedeckt und liefern über ein ausgeklügeltes
Kanalnetz Wasser in die Wüstenstädte.
Was ist ein Qanat ?
Die sogenannten
Qanate sind eine Entwicklung der Perser, die sich im Laufe
der Zeit über den ganzen Orient und bis nach China
verbreitet hat. Das Prinzip ist einfach und es sind keine
komplizierten Techniken erforderlich um ein solches Versorgungssystem
anzulegen. Zunächst wird nach einem Platz am Fuße
der Berge gesucht, wo es genug Wasser gibt. An dieser Stelle
wird ein Brunnenschacht gegraben, um festzustellen ob sich
auch genügend Wasser sammelt. Dann werden im Abstand
von ca. 50 m Schächte nach unten gegraben, bis man
auf eine wasserundurchlässige Erdschicht stößt.
Die Schächte können bis zu 90 m tief sein. Der
Aushub wird rund um das Loch wie ein Maulwurfshügel
angehäuft. Das ist in der flachen Landschaft der einzige
Hinweis, daß im Untergrund eine Wasserleitung läuft.
Die einzelnen Schächte werden nun mit Tunnels von etwa
1 m Breite und bis zu 1,80 m Höhe verbunden. Da die
Schächte immer vom Gebirge wegführen ergibt sich
das nötige Gefälle in der Regel von alleine. Auf
diese Weise entsteht ein unterirdisches Kanalsystem mit
bis zu 70 km Länge. Legt man die einzelnen Qanate Persiens
hintereinander soll dabei eine Gesamtlänge von 125.000
km zusammenkommen. Bis vor dem zweiten Weltkrieg gab es
in Persien ca. 35.000 Qanate. Heute sollen es noch etwa
20.000 sein. Solange das Wasser nicht versiegt oder salzig
wird, kann ein Qanat bis zu 100 Jahre alt werden.
Mittag in Darband
Zur Mittagspause erreichten wir die Wüstenstadt Darband
am Fuß des 2438 m hohen Kuh-e Darband. Wie immer verläuft
die Hauptstraße mitten durch den Ort, in dessen Zentrum
eine große Straßenkreuzung liegt. In einem Lokal
an der Straße nahmen wir Platz. Wie üblich gab
es auch hier die 3 Standardgerichte, die auf einem Grill
vor dem Lokal gebraten wurden. Mit der Menge Leuten hatte
der Wirt aber scheinbar seine Probleme, ein Teil des Fleisches
war zunächst nicht ganz durch und so gab es kleine
Wartezeiten und Rainer wurde nervös, er hatte Angst,
daß wir unser Ziel nicht vor Einbruch der Nacht erreichen
würden.
Die Wüste Lut
Hinter der Stadtgrenze von Darband verliesen wir die Provinz
Kerman, um uns die nächsten Tage in Khorasan aufzuhalten.
Der erste Eindruck der Provinz war öde und heiß.
Kein Wunder, wir waren dabei die Dasht-e Lut, die Wüste
Lut, zu durchqueren. Laut Reiseführer gehört diese
Wüste zu den Lebensfeindlichsten der Welt. Was früher
wegen der Trockenheit und den tückischen Salzseen eine
gefährliche Sache war und tagelang dauerte, ist heute
in einem halben Tag zu schaffen. Hier fallen in der Regel
weniger als 100 mm Regen im Jahr und die Tagestemperaturen
sind im Sommer meist über 40° C im Schatten, wobei
es Nachts im Winter oft auf 4-7° C abküht. Ein
typisches Festlandklima.
Wir kamen vorbei an alten, verlassenen Karawansereien,
in denen man zum Teil noch gut erhaltene Scherben der ehemaligen
Bewohner finden kann. Vielleicht würden sich ja einmal
ein paar Archäologen für diese Orte interessieren
und so haben wir allen schön brav liegenlassen, im
übrigen wäre es sowieso verboten gewesen etwas
mitzunehmen. Wir kamen vorbei am Kuh-e Nayband, der mitten
in der Wüste auf 2992 m in den Himmel ragt. Dabei muß
man allerdings bedenken, daß die durchschnittliche
Höhe des Wüstenplateaus schon zwischen 1.000 und
1.500 m liegt. Auffallend waren die vielen Militärposten,
die wir auf unserem Weg sahen. Was die hier in der einsamen
Wüste bewachen sollten war uns völlig schleierhaft.
Zusätzlich waren neben der Straße viele Gruben
zu sehen, die ziemlich genau die Maße von Panzern
hatten. Tari, unser persischer Begleiter erzählte,
daß im Krieg gegen den Irak deren Luftwaffe bis hierher
gekommen sei und darum die Gräben zum Schutz der Autos
und Lkws vor Luftangriffen ausgehoben wurden. Naja, möglich
wär's ja.
Bei einer der Pausen, die wir auf der Strecke eingelegt
hatten, gab es dann eine Brotzeit. Wir hatten Gelegenheit
uns die Füße zu vertreten und das nutzte ich,
mich in der Wüste umzuschauen. Obwohl die Wüste
Lut so lebensfeindlich ist, ist auch hier nicht alles totes
Land. Außer dort wo Sanddünen alles Leben ersticken,
gibt es überraschend viele Pflanzen. Da es noch Frühling
war und Nachts ein wenig Tau auf den Blumen entsteht, gab
es sogar noch Pflanzen die Blüten trugen. Erstaunlich,
wie schön die Blüten sind. Ich kratzte mit einem
Stöckchen an einer windgeschützten Stelle noch
meine Namen und das Datum 21.05.1996 in den Sand und fuhren
weiter.
Mit Vollgas nach Ferdous
Als wir die Stadt Deyhuk erreichten hatten wir noch immer
mehr als 100 km vor uns. Da es auf dem Weg durch die Salzwüsten
kaum nennenswerte Hindernisse gibt, können die Straßen
schnurgerade gebaut werden. Wie schon erwähnt, ist
der Zustand der Straßen außerordentlich gut.
Gerhard, unser Busfahrer nutze das reichlich aus. Ich weis
bis heute nicht, wie schnell man auf persischen Straßen
fahren darf, aber in Deutschland hätte es einen ordentlichen
Strafzettel gegeben.
Am späten Nachmittag erreichten wir dann unser Ziel,
die Wüstenstadt Ferdous, am Fuß des Kuh-e Esger
Gebirges. Die Wüstendurchquerung war geschafft und
geschafft von der Hitze waren auch wir. Bevor wir aber in
die Stadt einfahren konnten, galt es erst einmal den Militärposten
davon zu überzeugen, daß wir alle Genehmigungen
hatten. Weil der Posten kein Englisch verstand, war Tari,
unser persischer Begleiter ein große Hilfe, sonst
konnte ja keiner Farsi, die Sprache der Iraner.
Nudelsuppe und Sandsturm
Wir staunten
nicht schlecht, als plötzlich ein Polizeiwagen ankam
und sich vor den Bus stellte. Nach einigem Palaver wurden
wir von dem Polizeiwagen bis zum Sportstadion eskortiert,
in dem wir unser Nachtlager aufschlugen. Auf dem Parkplatz
vor dem Stadion bauten wir den Schlafwagen auf und richteten
uns ein. Für das Abendessen stellten wir Tische und
Stühle vor dem Bus auf. Wir füllten gerade unsere
Teller mit Nudelsuppe, als es plötzlich windig wurde.
Aus dem lauen und angenehmen Lüftchen wurde ziemlich
schnell ein kräftiger Sturm und der Himmel wurde dunkel.
Fluchtartig verliesen wir unseren Speiseplatz und suchten
Schutz in den Umkleidekabinen des Sportplatzes oder im Bus.
Wir hatten gerade noch Zeit, die Planen unseres Schlafanhängers
zu schließen und dicht zu machen, als der Sandsturm
in voller Stärke über den Ort hereinbrach. Obwohl
wir noch rechtzeitig die Türen hinter uns zubrachten,
hatte sich in unseren Suppen eine zusätzliche Beilage,
Sand. Besonders angenehm, wenn man die Nudeln kaut und dabei
meint man hätte Schmirgelpapier im Mund. Naja, der
Hunger war aber größer. Der Sturm dauerte nicht
länger als 15 Minuten. Kurz darauf war schon wieder
der blaue Himmel zu sehen. Gott sei Dank waren die Planen
des Schlafwagens so dicht, daß kein Sand in die Kleidung
und Betten kam, das wäre sicher nicht lustig gewesen.
Der Sandsturm hatte auch etwas gutes, wir alle hatten ein
Erlebnis, das man zu Hause spannend erzählen konnte.
Da sich der Sturm sehr schnell wieder gelegt hat, war die
Nacht recht ruhig und ich schlief ganz ausgezeichnet.
|